Lesotho Südafrika Südafrika 2013

#14 Ein Dorfbesuch in Lesotho

Nachdem ich mich bereits innerlich dazu entschlossen hatte, kein Dorf im Rahmen einer touristischen Dorftour zu besuchen, wo man mit Tanz und viel SchickSchnack begrüßt wird, nahm ich nun heute an einem ,realistischeren‘ Dorfbesuch in Lesotho Teil. Eigentlich war das gar nicht geplant, aber im Nomad-Aktivitätenpaket war ein Schulbesuch inkludiert und da alle Mitreisenden auch das Dorf dazu sehen wollten, hat unser Guide Collin das dann eben mal so ausgehandelt – und zwar ohne Aufpreis bzw. Mehrkosten für uns! Super!
Der Dorfbesuch war recht interessant, da wir wirklich einfach durchs Dorf (bzw. aus meiner Sicht durch mehrere Dörfer) spaziert sind und uns zwei lokale Guides ab und zu etwas erklärt haben. Wir haben zwar so nur wenige Einblicke in das alltägliche Leben bekommen, aber das war dann REAL und kein Show-Dorf. Die Menschen im entsprechenden Dorf leben sehr einfach… So wie es in Deutschland vielleicht zu Beginn des 19. Jahrhunderts üblich war. Es gab keinen Strom in den Hütten, das Wasser muss von Sammelstellen geholt werden und die meisten Menschen scheinen von der Landwirtschaft zu leben. Dennoch gibt es einen kleines Areal mit neuen Häusern. Dort befindet sich beispielsweise das Krankenhaus – oder, wie man es aus deutscher Sicht wohl eher bezeichnen würde – das Haus des Landarztes. Viel scheint man hier nämlich nicht behandeln zu können. Eben nur eine Grundversorgung.

Natürlich wollen die Menschen hier auch ein wenig am Tourismus verdienen und so zeigt man uns eine Bar, einen Imbiss sowie einen „Souvenirshop“ mit Handwerkskunst. Ich werde zwei Mal schwach. Gleich zu Beginn kaufe ich im Imbiss „Makoenya“. Das sind frittierte Teigbällchen, quasi wie Quarkbällchen ohne Quark. Optisch und geschmacklich würde ich schätzen, dass die aus einer Brandteigmasse bestehen. War jedenfalls irgendwie urig… Winziges Wellblechhaus und für 1 Rand (!) das Stück (das sind nicht mal 8 Cent) hatte ich einen leckeren, frischen Vormittagsimbiss. Das zweite Mal musste ich in der Bar zuschlagen. Neeeein, natürlich kaufte ich nicht das eklig schmeckende, aus Orangen gewonnene Bier. Ich glaubte vielmehr der Story des Barmanns mit den Ohrringen, die AIDS-Kranke hergestellt haben, um sich so ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Ein Paar solcher Kupferdrahtohrringe kostet 50 Rand (knapp 4 €). Damit sind sie – verglichen mit Modeschmuck in Deutschland – jetzt kein Schnäppchen, aber sie sind eben ein schönes Andenksel, mit dem man vielleicht etwas für einen guten Zweck tut.
Das süßeste im Dorf sind jedoch die kleinen Kinder. Die winken, wie in einem extrem kitschigen Film, wirklich allen zu und kommen auf uns zugerannt und sind sehr neugierig. Nur zwei Kinder treffe ich, die eindeutig Bonbons von den weißen, reichen Menschen wollen; die anderen sind wirklich nur so an uns interessiert. Das ist herzerwärmend. Auch die Kinder beim Schulbesuch sind knuffig, wenn diese natürlich schon ein einstudiertes Lied vorführen müssen. Schade finde ich dabei, dass wir wenig über den Schulalltag in Lesotho erfahren. Überhaupt, wir sind nicht in einer Schule, sondern vielmehr in der Vorschule gelandet, aber gut …
Nach dem Schulbesuch endet unsere Tour durch das Dorf und wir haben Mittagspause. Anschließend darf noch gewandert werden; alternativ entspannt man auf dem Gelände. Ich entscheide mich für eine kurze Wanderung (ca. 2h) mit fünf anderen Mitreisenden. Die ist ganz nett, von den Anforderung her jedoch eher ein Spaziergang durch unebenes Gelände. Selbst ich, die ja nicht wirklich gern wandert, kann die Strecke gut gehen. Belohnt wird man zudem mit traumhaften Ausblicken über das Tal. Die Teilnahme lohnt sich also! Nur etwas unangenehm ist das Geben des Trinkgeldes, da dieses sehr energisch und aus meiner Sicht aufdringlich eingefordert wird. Aber das ist hier in Lesotho bei allen Aktivitäten so.

Am Abend spielt dann noch eine Band und davor singt ein Chor. Auch diese bitten natürlich wieder um Trinkgeld … – von mir bekommen sie aber nur die Hälfte des Geforderten…, soooo toll fand ich es nämlich nicht.

You Might Also Like...

Keine Kommentare

Neue Flaschenpost