Italien Venetien 2016

Verona ist mehr als nur „Romeo & Julia“

Am Morgen gehört die Stadt dir

Die Sonne steht noch nicht am Horizont, doch ich bin schon unterwegs. Ich folge dem Ufer der Etsch bis zu einem antiken römischen Theater. Dort führt mich ein Treppenpfad hinauf zum Castel San Pietro. Es herrscht Stille; Ruhe vor dem alltäglichen Trubel unten in der Stadt. Ich setze mich auf die Mauer der Aussichtsterrasse vor dem Kastell und lasse meinen Blick über Verona schweifen. Geradezu kann ich die gotische Kirche Sant’ Anastasia bestaunen. Ich mag die morgendliche Stimmung, auch wenn die Sonne mir heute keinen Bilderbuch-Sonnenaufgang schenkt.

Favorit zum Frühstück – ein Croissant alla crema

Kurz vor Sieben Uhr trenne ich mich von der Aussicht, um für meine Reisebegleitung und mich einen kleinen Frühstückssnack zu besorgen. In der Pasticceria Scapini (Via XX Settembre 132, tgl. ab 7 Uhr geöffnet) werde ich fündig. Die Auswahl ist nicht allzu groß, aber ausreichend. Ich werde der kleinen Konditorei in den kommenden Tagen noch mehr als einmal einen Besuch abstatten. Anders als erwartet verliebe ich mich jedoch nicht in das Croissant al cioccolato, sondern in das Croissant alla crema. Herrlich süß und wunderbar cremig. Voll mein Ding. Auch liebe ich die Freundlichkeit, die die Mitarbeiter in diesem Geschäft versprühen. Obwohl ich deutlich keine Einheimische – und somit keine potentielle Stammkundin – bin, werde ich sehr zuvorkommend behandelt. Man freut sich über meine italienischen Sprachbrocken beim Bestellen und wünscht immer einen schönen Tag. Besser kann der Tag doch nicht beginnen, oder?

Ein kleiner Stadtspaziergang durch Verona

Schon gegen 8 Uhr sind wir startklar und spazieren in die Altstadt Veronas. Unsere Wohnung liegt ganz in der Nähe der Etsch bei der Ponte delle Navi, aber eben auf der „falschen“ Uferseite. Das hat meiner Meinung nach aber den Vorteil, dass wir ein wenig einheimischer wohnen können. Und Verona ist jetzt nicht so riesig, dass man stundenlange Fußmärsche auf sich nehmen muss.
Die Chiesa di San Fermo Maggiore lassen wir links liegen, denn natürlich wollen wir das Aushängeschild Veronas unbedingt sehen. Nein, nicht den Balkon von Julia, sondern die Arena. Den Innenbesuch heben wir uns zwar für einen anderen Tag auf, aber auch von außen macht das römische Amphitheater eine gute Figur. Es erinnert mich natürlich unweigerlich an das Kolosseum in Rom und ich werde ein wenig sentimental. Schon fast fünf Jahre ist mein letzter Romaufenthalt her. Viel zu lang. Ich hoffe, dass sich das bald ändern wird.

Noch ist es recht ruhig auf der Piazza Bra. Die umliegenden Geschäfte bereiten sich auf den Tag vor; Tische werden geputzt und gedeckt. Wir wollen allerdings noch mehr Eindrücke sammeln und folgen der Via Roma bis zur Ponte Scaligero. Diese Brücke führt über die Etsch und wurde ursprünglich im 14. Jahrhundert als möglicher Fluchtweg aus der Kastellburg für den damaligen Herrscher errichtet. Im Laufe der Zeit wurde sie mehrmals stark beschädigt, zum letzten Mal am Ende des Zweiten Weltkrieges. Glücklicherweise wurde sie jedoch originalgetreu restauriert. Nach der Überquerung der Brücke kann man sich direkt an die Etsch setzen. Und da die Sonne lacht, halte ich meine Füße zum Baden in den Fluss. Doch noch etwas kalt, aber erträglich und dafür mit Blick auf die Kastellburg und die Brücke. Die Burg ist übrigens gut erhalten und beherbergt heute ein Museum für Kunst.

So langsam meldet sich der kleine Hunger. Und da mich noch keine Gelateria so richtig anstrahlt, gönne ich mir einen kleinen Obstsalat (3 €) auf der Piazza delle Erbe. Dieser Platz ist wunderschön, mit unaufälligem, aber plätscherndem Brunnen und sprüht mit seinen Marktständen nur so voller Leben. Leider gibt es aber auch recht viel touristischen, unnützen Klimbim. Nach einer kleinen Pause besichtigen wir die umliegenden Plätze und versuchen dann unser Glück beim Haus der Julia. Und tatsächlich: Wir schaffen es nicht nur in den Innenhof, sondern mir gelingt ebenfalls ein Foto der Bronzestatue der Julia; ohne andere Touristen, die der armen Julia unentwegt an ihre Brüste grapschen und danach sicherlich ihre Liebeswünsche an der Hauswand drapieren. Es ist schon phänomenal wie sehr ein Ort Touristen anziehen kann, wenn nur das Marketing stimmt. Denn seien wir ehrlich: Die Geschichte von Romeo & Julia lässt sich so nicht einwandfrei belegen. Shakespeare übernahm sie mehr oder weniger aus anderen Quellen. Aber selbst, wenn man davon ausgehen würde, dass es die beiden wirklich in Verona gab, so ist das hier trotzdem der falsche Ort. Das belegt schon der Balkon, der erst im 20. Jahrhundert nachträglich für die Touristen angebaut wurde. Dennoch stauen sich gefühlt hier alle Touristen der Stadt. Die Hoffnung auf die ewige Liebe eben!

Zu guter Letzt möchte ich meiner besten Freundin natürlich nicht den Blick verwehren, den ich am Morgen genießen durfte und so gehen wir noch einmal gemeinsam zur Aussichtsplattform beim Castel San Pietro.

Ein Eis muss sein

Wer nach Italien fährt und nicht jeden Tag mindestens ein Eis isst, macht meiner Meinung nach irgendetwas falsch. Denn seien wir ehrlich: Nirgendwo schmeckt das Eis besser als direkt in Italien. Und so gibt es statt einem großen Mittag heute ein Eis in der Gelateria Ballini (Via Santa Maria Rocca Maggiora, Mo-Fr ab 13 Uhr; Sa+So ab 11 Uhr geöffnet). Die Gelateria liegt auf unserem Flussufer, also nicht direkt in der Altstadt und ist von außen relativ unscheinbar. Das Eis ist jedoch wirklich wunderbar cremig und sehr lecker.

Ein perfekter Abend

Nach dem besichtigungsreichen Tag gönnen wir uns eine kleine Pause. Unser Plan für den Abend: Den Sonnenuntergang beim Castel San Pietro anschauen und danach ab zum Abendbrot in die Pizzeria da Salvatore (Piazza San Tomaso 6, tgl. außer Mo 12.30-14.30 Uhr sowie ab 19 Uhr geöffnet; Pizzen 7-9 €). Eigentlich bin ich ja nicht so der Essensgeh-Typ; allein schon, weil es mir im Vergleich zum Selberkochen zu teuer ist. Aber einer echt italienischen Pizza kann ich nicht widerstehen. Also ab zum Pizza-Schlemmen. Und was soll ich sagen? Superlecker! Knusprig, aromatisch, perfekt. Auch die Atmosphäre ist toll. Schicker als ein Imbiss, aber eben nicht überkandidelt. Besonderer Augenmerk liegt sicher auf den Tischen, denn die haben ein originelles Design. Zwischen zwei Glasplatten befinden sich entweder Unmengen von Löffel, Coladosen oder Korken. Der Laden wird schnell richtig voll; hauptsächlich scheinen hier Italiener jeden Alters herzukommen, was ein gutes Zeichen ist. Wir sind jedenfalls sehr zufrieden. Fast zu schön, um es weiter zu verraten!

Warst du schon einmal in Verona? Welche Tipps kannst du mir für einen weiteren Besuch geben? Oder träumst du noch von einer Reise nach Verona? Worauf freust du dich am meisten? Schreib mir doch eine Flaschenpost!

 

Destination & Anreise

Verona ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im Norden Italiens und gehört zur Region Venetien. Die Altstadt wird von der Etsch malerisch eingerahmt und ist seit dem Jahr 2000 Teil des Weltkulturerbes. Besonders sehenswert sind die Arena von Verona, das Haus der Julia als auch die  Piazza delle Erbe. Außerdem kann man von der Piazzale Castel San Pietro eine wunderschöne Aussicht über Verona genießen.

Von Deutschland aus erreicht man Verona innerhalb von zwei Flugstunden, wobei man außerhalb der Saison in der Regel über München oder Frankfurt/Main fliegt. Alternativ fährt die Bahn ab München in etwa fünfeinhalb Stunden nach Verona.

Unterkunft in Verona

Ferienwohnung von Emanuela
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Via Timavo in 37129 Verona, Italien

 Lage ♥♥ —  Sauberkeit ♥♥♥ — Ausstattung & Service ♥♥♥ — Preis ♥♥♥

Dieses kleine Idyll eignet sich perfekt für einen Städtetrip alleine, zu zweit oder mit einem Kind auch zu dritt. Alles lief so, wie man es sich nur wünschen kann. Die Vermieterin hat im Vorfeld zügig und freundlich alle meine Fragen beantwortet. Und auch der Check-In klappte reibungslos. Als besonderes Extra wurden wir mit dem Auto vom Bahnhof abgeholt. Das war mit schwerem Gepäck eine Wohltat.

Die Wohnung erwies sich als gemütlich und wir fühlten uns wohl. Die Ausstattung war wie beschrieben, funktionierte und befand sich in einem sauberen Zustand. Besonders putzig sind die Katzen, die vor dem Haus oder im Hausflur herumlungern und sich teilweise auch streicheln lassen. Die Lage im Erdgeschoss war für mich anfangs komisch. Dadurch, dass es eine Seitenstraße ist und die Fenster Gitter haben, habe ich mich aber sehr sicher gefühlt.

Der einzige Nachteil der Wohnung ist eventuell ihre Lage, da sie sich nicht direkt im touristischen Zentrum Veronas befindet. Allerdings erfordert es nur einen kleinen Spaziergang über die Etsch und schon ist man in fünf bis zehn Minuten bei der Arena. Zudem befinden sich auf nahe gelegenen Via Venti Settembre genügend kleine Geschäfte sowie in etwa zehn Minuten Entfernung ein größerer Supermarkt. Für den kulinarischen Höchstgenuss empfehle ich einen kleinen Abendspaziergang zur Piazza San Tomaso zu unternehmen. Da kann man nämlich bei Salvatore richtig lecker Pizza schlemmen. Und zum Nachtisch gibt es um die Ecke bei Ballini gleich noch ein tolles Eis!

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